








BMW F450 GS im Test
Die neue, "kleine" GS mit 48 PS für A2-Führerscheininhaber im Test
Fotos: Motorradtest.de
Es gibt Motorräder, die kommen auf den Markt und wirken sofort wie eine Ansage. Die BMW F 450 GS gehört ziemlich eindeutig in diese Kategorie. Nicht, weil sie mit riesigem Hubraum protzt oder sich als rollendes Expeditionsmobil aufspielt, sondern weil sie genau das Gegenteil macht: Sie nimmt die GS-Idee, schneidet den Ballast weg und serviert das Ganze als kompaktes, leichtes Adventure-Bike für Menschen, die einfach fahren wollen. Zur Arbeit, über Land, auf Schotter, mal eben ans Meer oder am Wochenende in den Waldweg, den man schon hundertmal gesehen, aber nie ausprobiert hat.
BMW F 450 GS im Test: Die kleine GS macht ernst
BMW positioniert die F 450 GS ziemlich clever zwischen der bisherigen Einsteigerwelt und den großen Reiseenduros. Sie kommt mit neu entwickeltem Zweizylinder, 48 PS und einem fahrfertigen Gewicht von 178 Kilogramm. Damit passt sie sauber in die A2-Klasse und wirkt trotzdem nicht wie ein Motorrad, das man nur fährt, bis man „was Richtiges“ darf. Genau das ist spannend: Die F 450 GS will kein Trostpreis sein. Sie will eine echte GS sein, nur eben handlicher, zugänglicher und weniger einschüchternd.
Farbauswahl: Drei Farben, aber auch unterschiedliche Preise und Ausstattungen.
Design: Mini-GS, aber nicht niedlich
Optisch macht die F 450 GS keinen Hehl daraus, zu welcher Familie sie gehört. Die typische GS-Flyline, der markante Schnabel, der Voll-LED-Scheinwerfer mit X-Anmutung und die aufrechte Haltung schreien nicht, sie sagen eher lässig: „Ja, ich bin eine GS. Was dagegen?“ Besonders angenehm ist, dass BMW die Kleine nicht künstlich aufgeblasen hat. Sie sieht erwachsen aus, aber nicht so, als hätte man ihr einen zu großen Anzug angezogen.
Abmessungen und Sitzprobe
Beim Aufsitzen fällt sofort auf: Das Ding ist freundlich. Die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker liegt gut in der Hand, die Taille wirkt schmal, und man hat nicht das Gefühl, erst einen Kranführerschein machen zu müssen, bevor man losrollt. Gerade für kleinere Fahrerinnen und Fahrer oder für Leute, die von schweren Maschinen wieder runterkommen wollen, ist das Gold wert. Die F 450 GS vermittelt vom ersten Meter an dieses „Passt schon, wir kriegen das hin“-Gefühl.
So sitzt es sich auf der BMW F450 GS
Ausstattung: Viel Technik, wenig Drama
Bei der Ausstattung merkt man, dass BMW die F 450 GS nicht als Billig-GS verstanden wissen will. Fahrmodi wie Rain, Road und Enduro, ABS Pro, ein modernes Display, LED-Licht, einstellbare Handhebel und sinnvolles Zubehör machen sie zu einem Motorrad, das im Alltag angenehm komplett wirkt. Man steigt auf und muss nicht direkt eine Liste schreiben, was alles nachgerüstet werden müsste, damit es brauchbar wird.
Gerade die Easy Ride Clutch ist so ein Feature, über das Puristen erst die Nase rümpfen und das sie dann heimlich gut finden. Im Stadtverkehr, beim Stop-and-Go oder beim langsamen Rangieren im Gelände ist das System einfach praktisch. Es nimmt Hektik raus und lässt einen entspannter fahren. Wer klassisch kuppeln will, kann das weiterhin tun. Wer nicht ständig will, muss nicht. Genau so sollten Assistenzsysteme sein: hilfreich, aber nicht bevormundend.
Für Touren ist die BMW ebenfalls gut vorbereitet, auch wenn sie natürlich keine rollende Luxuslounge ist. Windschutz, Sitzkomfort und Gepäckoptionen hängen stark von Ausstattung und Zubehör ab, doch die Grundsubstanz stimmt. Der Verbrauch dürfte dank moderatem Hubraum und moderner Einspritzung angenehm niedrig bleiben, und der Motor wirkt nicht so angestrengt, als müsste er auf der Autobahn um sein Leben schreien. Dauertempo jenseits vernünftiger Landstraßenwerte ist nicht ihr Lieblingsspiel, aber kurze Autobahnetappen steckt sie locker weg.
Serien-EndschalldämpferMotor: 48 PS, die mehr können als Stammtisch
Der neue wassergekühlte Zweizylinder ist das Herzstück der F 450 GS. Mit 420 Kubikzentimetern, 48 PS und 43 Newtonmetern Drehmoment spielt er exakt in der A2-Liga, aber er fühlt sich nicht nach Fahrschulkompromiss an. Untenrum hängt er sauber am Gas, in der Mitte zieht er angenehm kräftig durch, und oben raus wirkt er drehfreudiger, als man es von einer kleinen Reiseenduro vielleicht erwartet. BMW spricht von einem speziellen Kurbelzapfenversatz, der dem Motor Charakter geben soll. Marketing-Sprech hin oder her: Das Aggregat wirkt tatsächlich lebendig und nicht nach Küchenmixer mit Nummernschild.
Im Alltag reicht die Leistung völlig. Ampelstart? Locker. Landstraße? Macht Spaß. Kurvige Hausstrecke? Genau ihr Ding. Klar, wer von einer 1300er kommt, wird nicht plötzlich religiöse Erleuchtung beim Beschleunigen erleben. Aber darum geht es hier auch nicht. Die F 450 GS lebt von Schwung, Leichtigkeit und dem schönen Gefühl, ein Motorrad wirklich ausnutzen zu können, ohne sofort auf illegalen Geschwindigkeiten unterwegs zu sein.
Das Sechsganggetriebe arbeitet unauffällig, was in diesem Fall ein Kompliment ist. Die Gänge flutschen sauber rein, die Übersetzung passt zum Konzept, und mit dem optionalen Schaltassistenten Pro wird das Ganze noch entspannter. Wer viel in der Stadt unterwegs ist, dürfte außerdem an der Easy Ride Clutch Gefallen finden. Diese Fliehkraftkupplung nimmt einem das Anfahren und langsame Herumzirkeln spürbar ab, ohne das Motorrad gleich in einen Roller zu verwandeln. Der Kupplungshebel bleibt da, die Kontrolle bleibt da, nur der Stress verschwindet ein Stück weit.
Neuer Reihentwin mit 48 PS und 43 Nm Drehmoment
Handling: Leichtfüßig statt schwer beschäftigt
Das Fahrwerk ist einer der Punkte, an denen die F 450 GS richtig glänzt. Vorne arbeitet eine 43-Millimeter-Upside-Down-Gabel mit 180 Millimetern Federweg, hinten ein einstellbares Federbein mit wegeabhängiger Dämpfung. Klingt technisch, fühlt sich aber simpel an: Das Motorrad fährt stabil, ohne träge zu sein, und komfortabel, ohne schwammig zu wirken. In schnellen Wechselkurven lässt sie sich locker umlegen, in engen Kehren bleibt sie berechenbar, und auf schlechten Straßen poltert sie nicht genervt, sondern nimmt die Sache ziemlich souverän.
Die 178 Kilogramm fahrfertig sind dabei mehr als nur ein schöner Wert im Prospekt. Man merkt sie beim Rangieren, beim Umdrehen auf engem Raum und vor allem dann, wenn die Straße schlechter wird. Die BMW fährt nicht wie ein schweres Motorrad, das leicht wirken will, sondern wie ein leichtes Motorrad, das erwachsen abgestimmt wurde. Genau das macht ihren Charme aus.
Auch die Bremsen passen ins Bild. Vorne verzögert eine 310-Millimeter-Scheibe mit Brembo-Vierkolbensattel, hinten hilft eine 240-Millimeter-Scheibe. Die Dosierung ist sauber, der Druckpunkt klar, und ABS Pro bringt zusätzliche Sicherheit, gerade wenn man in Schräglage doch mal beherzter zugreift. Für ein Bike dieser Klasse fühlt sich das nicht nach Basisware an, sondern nach einem Paket, das bewusst hochwertig geschnürt wurde.
Bremsen: Einzelscheibe vorne udn hinten, bremst gut, aber nicht Weltklasse.
Offroad: Kein Hard-Enduro-Poser, aber ehrlich talentiert
Natürlich stellt sich bei jeder GS die Frage: Kann sie auch Gelände, oder sieht sie nur so aus? Die F 450 GS gibt darauf eine erfreulich unaufgeregte Antwort. Sie ist keine Wettbewerbs-Enduro und will es auch nicht sein. Aber auf Schotter, Feldwegen und leichtem Gelände fühlt sie sich absolut glaubwürdig an. Die aufrechte Ergonomie passt auch im Stehen, die Endurofußrasten bieten ordentlich Halt, und das geringe Gewicht nimmt vielen Situationen den Schrecken.
Besonders schön ist, dass man nicht permanent gegen das Motorrad kämpfen muss. Wo große Reiseenduros schnell nach Respekt verlangen, bleibt die F 450 GS spielerischer. Mal eine ausgewaschene Spur, mal loser Kies, mal ein matschiger Waldweg: Man hat eher Lust, es auszuprobieren, statt vorher drei YouTube-Tutorials über Bergungstechniken zu schauen. Der Enduro-Fahrmodus hilft dabei, das Motorrad passend abzustimmen, und die Balance zwischen Stabilität und Wendigkeit ist wirklich gelungen.
Mit groberen Reifen und, je nach Ausstattung, Kreuzspeichenrädern wird aus der F 450 GS ein ziemlich ernstzunehmendes kleines Abenteuergerät. Wer allerdings regelmäßig tiefe Sandpassagen, harte Endurotrails oder Sprünge fahren will, wird weiterhin zu Spezialgerät greifen. Für das echte Leben, also die Mischung aus Alltag, Tour und gelegentlichem Dreck unter den Reifen, passt die BMW aber erstaunlich gut.
Kunststoff-Motorschutz in Serie. Gegen Aufpreis gibt es noch schönere aus Alu.
Für wen ist die F 450 GS?
Die spannendste Zielgruppe sind nicht nur Fahranfänger mit A2-Führerschein. Klar, für die ist die F 450 GS fast maßgeschneidert: volle erlaubte Leistung, überschaubares Gewicht, moderne Sicherheitstechnik und echter Reiseenduro-Look. Aber mindestens genauso interessant ist sie für Wiedereinsteiger, Pendler, Downsizer und erfahrene Fahrer, die keine Lust mehr auf 250-Kilo-Schiffe haben. Manchmal ist weniger Motorrad einfach mehr Motorrad.
Im Wettbewerb trifft die BMW auf Maschinen wie Royal Enfield Himalayan 450, CFMoto 450MT oder KTM 390 Adventure. Die Konkurrenz ist stark und teilweise günstiger unterwegs. BMW kontert mit Premium-Anmutung, Technikpaket, Markennetz und dem großen GS-Mythos im kleinen Format. Ob einem das den Aufpreis wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Aber die F 450 GS wirkt nicht wie ein Lifestyle-Aufkleber auf Spartechnik, sondern wie ein ernst gemeintes Motorrad mit klarer Idee.
Was nervt?
Ganz ohne Meckern geht es natürlich nicht. Wer eine möglichst simple, günstige und robuste Reiseenduro sucht, könnte die vielen Optionen und BMW-typischen Ausstattungspakete etwas anstrengend finden. Außerdem wird die F 450 GS, je nach Konfiguration, schnell in Preisregionen rutschen, in denen man sich fragt, ob „klein“ wirklich noch „günstig“ bedeutet. Und wer hauptsächlich zu zweit mit viel Gepäck reist, wird bei größeren GS-Modellen oder Mittelklasse-Adventure-Bikes mehr Reserven finden.
Auch der Offroad-Anspruch hängt stark von Reifen, Rädern und Ausstattung ab. In der Basis wird sie wahrscheinlich eher der vielseitige Allrounder sein, während die Trophy- oder Enduro-orientierten Varianten deutlich mehr Abenteuer-Vibes mitbringen. Das ist kein Drama, sollte aber beim Kauf ehrlich berücksichtigt werden. Die F 450 GS kann viel, aber sie ersetzt nicht jedes Motorrad für jeden Zweck.
Fazit: Kleine GS, großer Spaßfaktor
Die BMW F 450 GS ist genau das Motorrad, das der GS-Familie gefehlt hat: leicht, zugänglich, modern und trotzdem glaubwürdig. Sie bringt den Abenteuer-Gedanken zurück auf eine Größe, die im Alltag wirklich Sinn ergibt. Man muss keine Weltreise planen, um mit ihr Spaß zu haben. Eine Feierabendrunde, ein Schotterweg, ein Wochenende mit Softbags oder einfach der tägliche Weg zur Arbeit reichen völlig, damit sie ihren Charakter zeigt.
Ihr größter Trick ist nicht die Technik, nicht der Name und auch nicht die Optik. Ihr größter Trick ist, dass sie sofort Lust macht. Sie wirkt nicht kompliziert, nicht überdimensioniert und nicht wie ein Motorrad, das ständig beweisen muss, wie wichtig es ist. Sie fährt sich leicht, bietet genug Leistung, hat ein ordentliches Fahrwerk, sinnvolle Elektronik und diesen kleinen Schuss GS-Charme, der aus einem normalen Weg plötzlich eine kleine Tour macht.
Wer maximale Leistung, riesige Reichweite und Autobahn-Dominanz sucht, ist hier falsch. Wer aber ein Motorrad will, das im Alltag nicht nervt, auf der Landstraße grinst, im Gelände nicht gleich kapituliert und dabei hochwertig gemacht ist, sollte die F 450 GS sehr ernst nehmen. BMW hat hier keine Baby-GS gebaut, die nur süß aussehen soll. BMW hat eine kleine GS gebaut, die erwachsen genug ist, um vielen großen Motorrädern im echten Leben ziemlich frech auf den Koffer zu fahren.
Die Maschine wurde uns zur Verfügung gestellt von Bergmann & Söhne in Neumünster. Dort stehen nicht nur jede Menge BMW Modelle zur Probefahrt bereit, es gibt auch viele gebrauchte Maschinen zu bestaunen. Da sich die Filiale am Ortsrand von Neumünster befindet, ist man schnurstracks auf Landstraßen oder auch auf den Autobahnen A7 oder A21 unterwegs und kann dem Testbike mal so richtig auf den Zahn fühlen.
Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre
- Preis: 7.220€
- Verfügbarkeit: seit 2026
- Farben: rot, schwarz, tricolor



































