Suzuki DR-Z4 SM im Test

Suzuki DR-Z4SM im Test: Kleine Supermoto, großer Spaßfaktor

Suzuki DR-Z4 SM im Test

Es gibt Motorräder, die erklären sich über Datenblätter, Kurvenverläufe und Messwerte. Und dann gibt es Motorräder wie die Suzuki DR-Z4SM: draufsetzen, losrollen, grinsen. Die neue Supermoto aus Hamamatsu will gar nicht so tun, als wäre sie ein Langstrecken-Gleiter, ein Hightech-Raketenstuhl oder das vernünftigste Pendlerfahrzeug der Welt. Sie ist eher der Kumpel, der dich nach Feierabend anruft und sagt: „Komm, nur eine kleine Runde.“ Zwei Stunden später stehst du irgendwo an einer Landstraße, der Helm ist voller Fliegen, die Mundwinkel kleben fast an den Ohren und du fragst dich, warum nicht jedes Motorrad so direkt, unkompliziert und herrlich albern sein kann.

Die DR-Z4SM tritt als moderne Nachfolgerin der legendären DR-Z400SM an. Suzuki hat den Grundgedanken nicht über Bord geworfen, sondern sauber entstaubt: ein 398-Kubik-Einzylinder, Supermoto-Geometrie, 17-Zoll-Räder, geringes Gewicht, moderne Einspritzung, Ride-by-Wire, Fahrmodi, Traktionskontrolle und ABS. Klingt erstmal nach „endlich im 21. Jahrhundert angekommen“. Gleichzeitig bleibt der Charakter angenehm simpel. Kein überladener Elektronik-Zirkus, keine App-Orgie, kein Display, das dir nebenbei noch deine Steuererklärung machen will. Die DR-Z4SM ist weiterhin ein ehrliches Spaßgerät, nur eben mit frischem Hemd und gewaschenen Haaren.

Motor: Einzylinder mit Ansage, aber ohne Größenwahn

Im Herzen arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter 398-cm³-Einzylinder mit 38 PS und 37 Nm Drehmoment. Auf dem Papier ist das keine Zahl, bei der sich Supersportler nervös am Seitenständer festhalten. Aber genau darum geht es hier auch nicht. Die DR-Z4SM lebt nicht davon, auf der Autobahn den linken Streifen zu beanspruchen. Sie lebt davon, aus engen Ecken heraus sauber anzureißen, in der Stadt jede Lücke locker zu nehmen und auf kurvigen Nebenstraßen dieses „Ach komm, noch eine Kurve“-Gefühl zu produzieren.

Die Gasannahme wirkt modern und kontrolliert. Dank Einspritzung und Ride-by-Wire ist Schluss mit dem Charme alter Vergaser-Zickigkeit. Morgens starten, kurz sortieren, los. Der Motor hängt sauber am Gas, schiebt unten und in der Mitte ordentlich an und passt perfekt zum Charakter des Bikes. Er will nicht brutal sein, sondern wach. Nicht einschüchtern, sondern anstacheln. Wer aus einer großen Reiseenduro oder einem Vierzylinder kommt, wird die Leistung zunächst vielleicht als überschaubar empfinden. Wer aber versteht, dass Supermoto nicht aus Topspeed besteht, sondern aus Timing, Linie, Körpereinsatz und Frechheit, der merkt schnell: Das reicht für sehr viel Quatsch.

Ein kleiner Dämpfer bleibt allerdings: Das 5-Gang-Getriebe. In der Stadt und auf der Hausstrecke passt das noch gut. Auf schnelleren Landstraßen oder längeren Verbindungsstücken wünscht man sich aber ziemlich deutlich einen sechsten Gang. Nicht, weil die DR-Z4SM sonst unfahrbar wäre, sondern weil der Motor oberhalb von Landstraßentempo spürbar beschäftigt wirkt. Ein Overdrive-Gang hätte das Gesamtpaket entspannter gemacht. So bleibt sie ein Bike für kurze, knackige Einsätze statt für lange Geradeaus-Etappen.

Fahrwerk und Handling: Hier wird die Musik gespielt

Wenn die DR-Z4SM eine Bühne hat, dann ist es nicht die Autobahn, sondern alles, was eng, winklig und ein bisschen respektlos ist. Kreisverkehre, Kehren, kurvige Landstraßen, Stadtdschungel, kleine Kartstrecken: Genau dort fühlt sie sich an, als hätte jemand ein Mountainbike mit einem Motorrad gekreuzt und dem Ergebnis einen frechen Einzylinder verpasst. Mit fahrbereiten 154 Kilogramm bleibt sie angenehm leicht, und das merkt man bei jedem Richtungswechsel. Ein kurzer Impuls am breiten Lenker, und die Suzuki kippt willig in die Kurve. Kein Drama, kein Gewuchte, kein „Moment, ich muss erst meine Masse sortieren“.

Die Sitzhöhe von 890 Millimetern klingt erstmal nach Stelzenlauf, passt aber zum Supermoto-Konzept. Man sitzt hoch, hat Überblick und viel Bewegungsfreiheit. Kleinere Fahrerinnen und Fahrer sollten trotzdem vorher probesitzen, denn der Boden ist nicht unbedingt direkt unter den Stiefeln. Dafür belohnt die Position mit viel Kontrolle. Der Lenker liegt angenehm breit in der Hand, die Fußrasten sind sportlich genug platziert, ohne völlig unbequem zu werden, und das Motorrad fühlt sich im Stand wie in Bewegung schlank und zugänglich an.

Das KYB-Fahrwerk passt gut zur Mission. Es ist nicht knüppelhart, sondern eher freundlich abgestimmt, bleibt aber stabil genug, wenn man es krachen lässt. Bodenwellen, miese Stadtstraßen und kleine Kanten nimmt die DR-Z4SM deutlich gelassener als viele pseudo-sportliche Straßenmotorräder. Gleichzeitig vermittelt sie genug Rückmeldung, damit man Vertrauen fasst. Besonders schön: Man kann die Linie auch mitten in der Kurve noch korrigieren, ohne dass das Motorrad beleidigt reagiert. Genau diese Gutmütigkeit macht sie auch für weniger erfahrene Fahrer attraktiv.

Bremsen und Elektronik: Einfach, aber sinnvoll

Vorn arbeitet eine einzelne 310-mm-Scheibe, hinten eine 240-mm-Scheibe. Das klingt nicht nach Rennstrecken-Overkill, passt aber zum Gewicht und zur Leistung. Die Bremse lässt sich gut dosieren und packt ausreichend kräftig zu, ohne nervös zu wirken. Auf einer Supermoto möchte man nicht unbedingt eine bissige Ankeranlage, die bei jedem Fingerzucken das Vorderrad zusammenstaucht. Man will Gefühl. Und davon liefert die Suzuki genug.

Bei der Elektronik bleibt Suzuki angenehm bodenständig. Es gibt Fahrmodi, Traktionskontrolle und ABS. Das klingt nach Pflichtprogramm, ist aber sinnvoll umgesetzt. Die Modi verändern den Charakter nicht komplett, helfen aber, die Gasannahme an Straße, Wetter und Laune anzupassen. Die Traktionskontrolle ist kein Zauberstab, der aus jedem Anfänger einen Driftkönig macht, aber sie gibt Sicherheit, ohne den Fahrspaß zu ersticken. Das ABS ist ebenfalls ein gutes Sicherheitsnetz, besonders auf nassen Straßen, Schmutz oder unberechenbarem Asphalt.

Das Display ist eher funktional als schick. Wer bunte TFT-Welten, Konnektivität und animierte Startbildschirme erwartet, schaut hier in eine andere Zeitrechnung. Aber ehrlich: Auf so einem Motorrad will man sowieso nicht permanent durchs Menü scrollen. Geschwindigkeit, Modus, Tank, fertig. Mehr braucht man für den eigentlichen Spaß nicht unbedingt. Trotzdem: Bei einem Preis im oberen Bereich der A2-tauglichen Spaßmotorräder hätte ein moderneres Cockpit dem Gesamteindruck gutgetan.

Alltag: Pendeln ja, Weltreise eher nein

Im Alltag zeigt die DR-Z4SM zwei Gesichter. Das eine ist großartig: In der Stadt ist sie fast unfair gut. Schmal, leicht, übersichtlich, flink. Ampelstarts machen Spaß, kleine Umwege werden plötzlich zur Pflicht und selbst der übliche Verkehrsnerv verliert etwas von seinem Schrecken. Man sitzt hoch genug, um über Autos hinwegzuschauen, und das geringe Gewicht macht Rangieren völlig stressfrei. Wer täglich durch urbane Gegenden pendelt und dabei nicht einschlafen möchte, findet hier ein richtig lebendiges Werkzeug.

Das andere Gesicht zeigt sich bei Komfort und Reichweite. Der Tank fasst 8,7 Liter. Bei moderatem Verbrauch kommt man damit ordentlich weit, aber echte Reisegelassenheit sieht anders aus. Dazu kommt die Sitzbank: sportlich, schmal, hart. Für eine schnelle Feierabendrunde völlig okay, für lange Autobahnetappen eher eine Einladung zum Stopp an jeder zweiten Tankstelle. Auch der Windschutz ist naturgemäß nicht vorhanden. Wer bei Tempo 120 dauerhaft entspannt bleiben will, sitzt auf anderen Motorrädern besser.

Dafür ist die Suzuki wartungsfreundlich, übersichtlich aufgebaut und wirkt solide verarbeitet. Genau das ist ein wichtiger Punkt: Die DR-Z4SM hat nicht diesen „bitte fass mich nur mit Diagnosegerät an“-Vibe. Sie fühlt sich nach einem Motorrad an, das gefahren werden will, nicht nach einem empfindlichen Technik-Showcase. Für Einsteiger mit A2-Führerschein, Wiedereinsteiger oder erfahrene Fahrer, die ein unkompliziertes Zweitmotorrad suchen, ist das ziemlich attraktiv.

Preis und Konkurrenz: Der Spaß ist nicht billig

Und jetzt kommt der Punkt, an dem die Party kurz leiser wird: der Preis. In Deutschland liegt die DR-Z4SM bei rund 9.699 Euro. Das ist für ein 38-PS-Supermoto schon eine Ansage. Klar, die Verarbeitung wirkt sauber, die Technik ist modernisiert, das Fahrwerk ist ordentlich, und der Name DR-Z bringt Tradition mit. Aber für das Geld darf man auch fragen, warum es keinen sechsten Gang gibt, warum kein Quickshifter angeboten wird, warum die Hebel nicht einstellbar sind und warum die Sitzbank so kompromisslos daherkommt.

Die Konkurrenz schläft nicht. KTM, Husqvarna, Beta und andere Anbieter haben ebenfalls leichte, freche Maschinen im Programm, teils mit mehr Leistung, teils mit niedrigerem Preis, teils mit aggressiverem Charakter. Die Suzuki punktet dagegen mit Zugänglichkeit, Verarbeitungsgefühl und diesem unaufgeregten japanischen „funktioniert einfach“-Charme. Sie ist nicht die wildeste Supermoto, nicht die billigste und nicht die stärkste. Aber sie ist vielleicht eine der freundlichsten. Und das ist im Alltag mehr wert, als viele Stammtischdaten vermuten lassen.

Fahrgefühl: Frech, leicht und herrlich unvernünftig

Das Beste an der DR-Z4SM ist, dass sie dich ständig zum Mitmachen auffordert. Sie ist kein Motorrad, auf dem man passiv sitzt und Kilometer abspult. Sie will, dass du arbeitest: Oberkörper nach vorn, Blick durch die Kurve, Druck auf den Lenker, sauber ans Gas. Dabei bleibt sie immer nahbar. Man muss kein Profi sein, um Spaß zu haben. Im Gegenteil: Gerade weil die Leistung überschaubar ist, kann man das Motorrad aktiver fahren, ohne ständig in Führerschein-Gefahr zu leben. Der Spaß entsteht nicht durch brutale Beschleunigung, sondern durch Leichtigkeit.

In schnellen Wechselkurven fühlt sich die Suzuki wie ein Spielzeug für Erwachsene an. Sie lenkt präzise ein, stellt sich nicht unnötig an und gibt dem Fahrer das Gefühl: „Mach ruhig, ich bin dabei.“ Genau diese Rückmeldung sorgt dafür, dass man Vertrauen aufbaut. Und Vertrauen ist bei einer Supermoto alles. Wer sich wohlfühlt, fährt runder, lockerer und am Ende schneller, ohne dabei verbissen zu werden. Die DR-Z4SM schafft es, sportlich zu wirken, ohne streng zu sein.

Fazit: Nicht perfekt, aber verdammt unterhaltsam

Die Suzuki DR-Z4SM ist kein Motorrad für alle. Wer viel Autobahn fährt, lange Touren plant, maximale Leistung sucht oder Wert auf Luxusausstattung legt, wird anderswo glücklicher. Wer aber ein leichtes, agiles, unkompliziertes und charakterstarkes Funbike sucht, sollte sie unbedingt ausprobieren. Sie bringt den alten DR-Z-Geist in die Gegenwart, ohne ihn glattzubügeln. Der Einzylinder ist lebendig, das Handling macht süchtig, die Elektronik ist sinnvoll dosiert und der Auftritt passt perfekt zum Supermoto-Thema.

Natürlich gibt es Kritik. Der Preis ist ambitioniert, der sechste Gang fehlt, die Sitzbank ist hart, und bei der Ausstattung hätte Suzuki an manchen Stellen großzügiger sein dürfen. Aber sobald die Straße enger wird und die ersten Kurven auftauchen, treten diese Punkte in den Hintergrund. Dann zählt nur noch dieses direkte, ehrliche Fahrgefühl. Die DR-Z4SM ist wie ein guter alter Skatepark: nicht besonders bequem, nicht besonders vernünftig, aber jedes Mal wieder ein Grund, noch eine Runde zu drehen.

 

Pro & Kontra
Pro:
  • einstellbares, gutes Fahrwerk
  • sehr agiles, leicht zu fahrendes Motorrad
  • LED rundum in Serie
  • solide Bauweise
Kontra:
  • harte Sitzbank
  • Motor obenrum ohne Puste
  • nur 5 Gänge
Verkaufszahlen (Deutschland)
Gesamt: 3.348 Mid: 37743
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