Harley-Davidson Street Bob im Test

Was kann der neue Harley-Bobber mit dem 117ci V2?

Harley-Davidson Street Bob im Test Fotos: Motorradtest.de
 
 
Die aktuelle Street Bob von Harley Davidson gilt als eine sehr typische Cruiser-Harley. Sie hat seit 2025 den mächtigen Milwaukee-Eight V2 mit 1,9 Liter Hubraum und schiebt dementsprechend an. Wie sich fährt und wie sich anfühlt haben Dirk und Dietmar bei einer sonnigen Testfahrt erfahren.

Günstiger geht echtes Harley-Feeling nicht

Mit knapp 18.000 Euro inkl. den unverzichtbaren Speichenfelgen und der Überführung ist die aktuelle Street Bob die günstigste Harley mit dem fetten V2. Nur die Nightster und die Sportster S sind noch günstiger, diese haben allerdings einen ganz anderen Motor. Von der Street Bob Jahrgang 2025 stehen sogar noch einige Modelle bei Harley Davidson in Kiel für nur 17.000 Euro zum Knallerpreis herum - und zwar MIT den viel schönen Speichenfelgen, die normalerweise aufpreispflichtig sind. 
 
Technisch gesehen unterscheiden sich das 2025er und das 2026er Modell übrigens gar nicht, nur die Farben wurden wie jedes Jahr geändert. Die zahlreichen technischen Neuerungen wurden zum Modelljahr 2025 eingeführt. Der Wechsel vom Dyna zum Softail-Rahmenkonzept erfolgte dagegen bereits 2018. Eingeführt wurde die Street Bob bereits in 2006, seitdem gehört dieses Modell zu den meistverkauften Harleys in Deutschland. In 2025 war sie sogar die meistverkaufte Harley mit 375 Stück.
 

Üppige Farbauswahl und entweder Guss- oder Speichenfelgen (Aufpreis).
Üppige Farbauswahl und entweder Guss- oder Speichenfelgen (Aufpreis).
 
 
Abmessungen und Sitzprobe
 
Der Sitzkomfort auf der Street Bob wird durch den Mini-Ape-Hanger Lenker und den niedrigen, sehr komfortablen Sitz sowie der Position der Fussrasten geprägt. Bei unserer Maschine waren die Fussrasten konsequenterweise bereits nach vorne verlegt, was eine lässigere Sitzposition ermöglicht - und dazu noch eine bessere Schräglagenfreiheit bewirkt.
 
Während unsere Probefahrte haben wir mit der speziellen Sitzergonomie keine Probleme bekommen, wie das allerdings nach einer 5-stündigen Tour Richtung Dänemark aussieht, können wir nicht sagen. Es ist auf jeden Fall sehr speziell, wenn man so tief sitzt und die Arme so weit nach oben reichen. Eben typisch Harley, werden jetzt viele denken - und ja, es fühlt sich wirklich so an.
 
Der Beifahrer findet ein kleines Sitzbrötchen vor und fühlt sich eher wie auf einer Abschussrampe denn auf einem Motorrad. Die Street Bob ist halt kein Tourer, da hat Harley andere Modelle im Programm, auf denen sich Beifahrer sehr viel wohler fühlen dürften. Die hier ist eher was für den allein-reisenden Cruiser-Typen. 
 
Die Rangiererei ist mit der Street Bob wie erwartet kein Vergnügen. Die Maschine wiegt 293 kg und fühlt sich auch genauso an. Das ist alles nichts für Schwächlinge, aber die werden sich vermutlich sowieso bei anderen Modellen umschauen.
 
Sitzprobe
So sitzt es sich auf der Street Bob.
 
 
Cockpit Beleuchtung vorne Beleuchtung hinten

Technik der Harley Street Bob

Ein neues 102 mm großes Multifunktions-Display (analog/digital Mix) ersetzt den kleinen Tacho im Lenker-Riser.  Erstmals sind Fahrmodi (Sport, Road, Rain), Traktionskontrolle und ein Tempomat serienmäßig an Bord. Sogar ein Kurven-ABS hat Harley der neuen Street Bob spendiert. Die vorhandene Technik hält sich aber diskret im Hintergrund, man wird durch nichts abgelenkt und auch optisch wirkt die Maschine durch die analoge Anzeige noch puristisch. 

Sehr angenehm ist die einfache Bedienung. Es gibt Schalter für die Fahrmodi, den Tempomaten und für den Bordcomputer im LC-Display. Dort kann man sich übrigens auch digital die Drehzahl anzeigen lassen, wobei das bei diesem Motor fast schon überflüssig ist - doch dazu später mehr.

Rundum kommen moderne LEDs zum Einsatz, inklusive eines hellen 146-mm-Scheinwerfers.  Eine integrierte USB-C Ladebuchse am Lenkkopf sorgt für Strom unterwegs. Die Rückleuchten sind allesamt in einer 3-in-1 Leuchte integriert. Trotzdem kann man die sehr hellen Blinker auch beim Bremsen noch gut erkennen.

Endschalldämpfer: Kess-Tech Anlage mit Klappenauspuff Endschalldämpfer: Kess-Tech Anlage mit Klappenauspuffsystem.

 

So fährt sie sich

Im Herzen der Street Bob 2025 arbeitet der bewährte Milwaukee-Eight 117 V2-Motor mit 1.923 cm³ Hubraum. Die maximale Leistung beträgt 91 PS bei 5.020 U/min, das Drehmoment liegt bei beeindruckenden 156 Nm bei schon 2.750 (!) Umdrehungen, was für kraftvollen Vortrieb sorgt. Der Verbrauch pendelt sich im gemischten Betrieb bei rund 5,5 Litern pro 100 Kilometer ein, was angesichts der Leistungsreserven als moderat einzustufen ist. Die 6-Gang-Schaltung arbeitet präzise, der Riemenantrieb überträgt die Kraft zuverlässig aufs Hinterrad.
 
Die Maschine hat immer Dampf in allen Lebenslagen. Der V2 ist kein Freund vonhohen Drehzahlen, dafür ist er untemrum aber potent wie kaum ein andere Motor. Im Grunde genommen braucht man eigentlich überhatup keine Drehzahl bzw. überhaupt kein Gas zu geben. Einfach Gang einlegen und Kupplung kommen lassen und ab geht das Schiff. Da man direkt auf einem der beiden Zylinder sitzt, fühlt man auch stets, was der Motor gerade macht. Das ist pures Harley-Feeling - entweder man mag es, oder halt nicht.

 
Da ist das Ding! V2 mit 1.923 ccm Hubraum. Da ist das Ding! V2 mit 1.923 ccm Hubraum.
 
 
Während des Tests beeindruckte die Street Bob vor allem durch ihre Unkompliziertheit und den authentischen Fahrspaß. Das Bike vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das bei jeder Ausfahrt spürbar ist. Besonders die Kombination aus klassischem Design und moderner Technik hebt das Modell hervor. Das Fahrwerk ist nicht zu straff, aber als komfortabel würden wir die Street Bob mit ihrem Federweg von 86 mm hinten auch nicht gerade bezeichnen. Trotz des bedenklich hohen Lenkers lässt sie sich aber gut in Kurven reindigirieren und bleibt dort auch stets linientreu. Mit ein bisschen Übung kann man tatsächlich auch sportlich fahren - wobei die typischere Fortbewegungsart natürlich das lässige Cruisen ist.
 
Die Bremsen sind zwar besser als erwartet, aber so richtig toll dann auch wieder nicht. Wen wunderts, wenn vorne eine Einzelscheibe mit axial verschraubter Bremszange bei diesem Gewicht zum Einsatz kommt. Man muss für eine Vollbremsung schon entsprechend zulangen und das ABS regelt auch eher wie bei einem Trecker, vor allem hinten. Hinzu kommt, dass die Kupplungskraft auch nicht gerade für kleine Mädchen entworfen wurde.
 
Naja, irgendwie verzeiht man der Street Bob all diese Unzulässigkeiten mit einem Lächeln, denn darauf kommt es hier eigentlich so gar nicht an! Worauf es ankommt, sind Sound und Dampf - und die bekommt man hier in größten Tüten auf einem güldenen Tablet serviert. Unser Testbike hatte übrigens eine Aufpuff-Klappenanlage von Kess-Tech mit separatem Schalter. Meine Güte! Wie Chainy so schön sagte: Wenn man die Maschine anmacht, fühlt es sich an, als wenn ein AKW hochgefahren wird. Dem ist nichts hinzuzufügen ...
 
Bremsanlage vorne - unterdimensioniert. Bremsanlage vorne - unterdimensioniert.
 
 

Als Highlight bleiben der kraftvolle Durchzug des Motors und der markante Sound in Erinnerung. Die Maschine wirkt wie ein Statement, sie ist gleichzeitig alltagstauglich und bereit für längere Touren. Kleine Details wie die ergonomisch geformten Bedienelemente und die intuitive Menüführung im Bordcomputer tragen zum positiven Gesamteindruck bei. Diese Maschine polarisiert! Entweder man mag das oder eben nicht. Es wird kaum einen Fahrer geben, der nach einer Probefahrt sagen wird, dass er die Street Bob so mittelmässig findet. Das lässt die Maschine einfach nicht zu.

 
Die Garantie für die Harley Davidson Fat Boy 2025 liegt bei 2+2 Jahren. Der Service ist alle 8.000 Kilometer oder einmal pro Jahr fällig. Echte, vergleichbare Wettbewerber sind rar gesäht: Indian Scout Bobber / Triumph Bonneville Bobber / Honda CMX 1100 Rebel / BMW R18
 
 

Fazit

Die Harley Davidson Street Bob 2025 ist ein gelungener Cruiser für Individualisten, die Wert auf Authentizität und Fahrspaß legen. Das Design ist klassisch und dennoch modern, die Technik ausgereift und die Ausstattung sinnvoll gewählt. Im Fahrverhalten überzeugt das Bike durch Agilität und Komfort, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist angesichts der Qualität und des Kultfaktors angemessen. Persönlich überzeugt die Street Bob durch ihre Vielseitigkeit und das besondere Fahrerlebnis, das nur eine echte Harley bieten kann. Für alle, die einen charakterstarken Cruiser suchen, ist die Street Bob 2025 eine klare Empfehlung.


Die Testmaschine wurde uns netterweise von Harley Davidson Kiel zur Verfügung gestellt. Dort wartet die Street Bob und viele andere Harley Vorführer auf Probefahrer. Harley Kiel liegt verkehrsgünstig an der Autobahn und man kann vom Händler mehr oder weniger sofort auf Landstraßen das Bike seiner Wahl auf den Zahn fühlen.
 
DEAL: Wer sich beeilt, bekommt bei HD Kiel die Street Bob 2025 (gleiches Motorrad, andere Farben) für 17.000 Euro inkl. der Speichenfelgen!

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Preis: 17.000 € (Aktion!)
  • Gebraucht (3 Jahre alt): 14.000€
  • Baujahre: 2006 - heute
  • Farben: rot, blau, grau, schwarz, oliv
Pro & Kontra
Pro:
  • Bäriger Motor mit echtem Harley-Feeling
  • krasser Sound
  • lässiger Auftritt
  • technisch gut ausgestattet
Kontra:
  • Bremsen sind nur okay
  • ABS regelt nicht mehr zeitgemäß
  • Sozius sitzt wie auf einer Abschußßrampe
04.2026: Harley-Davidson Street Bob
Verkaufszahlen (Deutschland)
Gesamt: 3.774 Mid: 35301
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