Honda Forza 125 im Test

Der kleine Luxusliner für den Alltag

Honda Forza 125 im Test Foto: HONDA

Mal ehrlich: Bei einem 125er-Roller denken viele zuerst an ein schmales Stadtgefährt, das morgens zum Bäcker rollt und schon bei der nächsten Steigung leicht außer Atem gerät. Die Honda Forza 125 räumt mit diesem Bild ziemlich gründlich auf. Sie kommt groß, erwachsen und erstaunlich edel daher – eher Mini-GT als Einkaufsmoped. Mit ihrem markanten Auftritt, viel Komfort und einer Ausstattung, die manchen größeren Roller alt aussehen lässt, will sie nicht nur praktisch sein. Sie will, dass man jeden Arbeitsweg ein kleines bisschen genießt.

Das aktuelle Modelljahr setzt genau auf diese Mischung. Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder leistet 10,7 kW beziehungsweise 14,6 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 12,3 Nm. Dazu kommen Variomatik, ABS, Traktionskontrolle, Smart Key, LED-Licht und ein großes Farbdisplay. Mit 164 Kilogramm vollgetankt und einer Länge von gut 2,14 Metern ist die Forza allerdings kein Leichtgewicht. Die spannende Frage lautet deshalb: Ist sie im echten Leben ein cleverer Alltagsheld – oder einfach ein ziemlich teurer 125er mit schicker Verkleidung?

Auftritt: Sieht nach mehr aus

Optisch spielt die Forza ganz bewusst eine Klasse höher. Die Front wirkt breit und selbstbewusst, die scharf gezeichneten LED-Scheinwerfer geben ihr einen modernen Blick und die sauber integrierten Verkleidungsteile sehen nicht nach Sparprogramm aus. Wer sie aus ein paar Metern Entfernung betrachtet, könnte sie locker für einen 300er oder 350er halten. Das ist natürlich auch Teil ihres Reizes: Man bekommt den Auftritt eines großen GT-Rollers, darf das Ganze aber mit A1-Führerschein oder – unter den entsprechenden Voraussetzungen – mit der deutschen B196-Erweiterung fahren.

Die Verarbeitung macht ebenfalls einen soliden Eindruck. Schalter, Verkleidung und Sitzbank wirken ordentlich zusammengebaut, nichts schreit nach Billigplastik. Besonders nett ist, dass Honda nicht nur auf Show setzt. Die Karosserie bietet spürbaren Windschutz, die Spiegel liefern ein brauchbares Bild nach hinten und die große Sitzbank passt zum ausgewachsenen Charakter. Nur beim Rangieren merkt man schnell, dass hier eben kein federleichter City-Scooter steht. Wer wenig Kraft hat oder auf abschüssigem Untergrund parkt, sollte die 164 Kilogramm nicht unterschätzen.

Motor und Antritt: Genug Feuer für die Stadt

Gas auf, los geht’s – unkomplizierter kann motorisierte Fortbewegung kaum sein. Die Variomatik hält das lästige Schalten komplett aus dem Alltag heraus, und der kleine Einzylinder nimmt sauber Gas an. An der Ampel fühlt sich die Forza munter an. Sie schießt nicht brutal nach vorn, aber sie kommt zügig in Bewegung und schwimmt im Stadtverkehr locker mit. Bis etwa 70 oder 80 km/h wirkt der Antrieb lebendig genug, um Lücken zu nutzen und Überholmanöver entspannt anzusetzen.

Danach wird die Luft naturgemäß dünner. Honda gibt 108 km/h Höchstgeschwindigkeit an, doch wie souverän man dieses Tempo erreicht, hängt von Fahrergewicht, Wind und Steigung ab. Für die Stadtautobahn oder kurze Bundesstraßen-Etappen reicht das ordentlich. Dauerhaft auf einer freien Autobahn möchte man mit 125 Kubik trotzdem nicht unbedingt verbringen. Bei Gegenwind fehlt die Reserve, um sich mal eben aus einer unangenehmen Situation herauszubeschleunigen. Das ist kein Fehler der Forza, sondern schlicht Physik – 14,6 PS bleiben 14,6 PS.

Angenehm fällt auf, wie kultiviert der Motor arbeitet. Vibrationen sind vorhanden, nerven aber nicht. Das Start-Stopp-System kann an längeren Ampelphasen Kraftstoff sparen und erwacht beim Gasgeben schnell wieder zum Leben. Wer das nicht mag, kann es abschalten. Beim Verbrauch nennt Honda 2,4 Liter auf 100 Kilometer. Selbst wenn die persönliche Praxis je nach Strecke etwas darüber liegt, bleibt der Roller ausgesprochen sparsam. Zusammen mit dem 11,7-Liter-Tank ergibt sich eine theoretisch sehr große Reichweite. In der Realität bedeutet das vor allem: Tanken ist selten ein Thema.

Fahrwerk und Bremsen: Stabil statt hibbelig

Die Größe und der lange Radstand zahlen sich aus, sobald die Straße schneller wird. Die Forza liegt satt, läuft sauber geradeaus und lässt sich von kleinen Fahrbahnunruhen nicht sofort aus der Ruhe bringen. Gleichzeitig bleibt sie handlich genug, um sich durch enge Straßen zu schlängeln. Die Kombination aus 15-Zoll-Vorderrad und 14-Zoll-Hinterrad ist ein guter Kompromiss: erwachsener als die winzigen Räder mancher Retro-Roller, aber noch agil genug für den täglichen Stadtzirkus.

Beim Komfort ist die Abstimmung eher auf der straffen Seite. Normale Unebenheiten verarbeitet das Fahrwerk sauber, tiefe Schlaglöcher oder harte Kanten können aber bis zum Sitz durchklopfen. Das ist nicht dramatisch, sollte aber niemand mit einem schwebenden Sofa verwechseln. In Kurven wirkt die Forza dafür verbindlich und präzise. Sie kippt nicht nervös hinein, sondern lässt sich berechenbar auf Linie bringen – ideal für Leute, die einfach entspannt und sicher fahren wollen.

Vorn arbeitet eine 256-Millimeter-Scheibe, hinten eine 240-Millimeter-Scheibe; ABS ist serienmäßig. Die Bremsen packen gut dosierbar zu und vermitteln ausreichend Vertrauen. Zusätzlich wacht die dreistufige Honda-Traktionskontrolle über das Hinterrad. Auf trockener Straße wird man sie selten bewusst bemerken, auf nassem Kopfsteinpflaster oder bei Schmutz auf der Fahrbahn ist sie aber ein beruhigender Mitfahrer. Wer möchte, kann das System auch abschalten.

Komfort und Wetterschutz: Fast schon Business Class

Der Arbeitsplatz hinter dem Lenker ist eine der großen Stärken. Die Sitzhöhe von 780 Millimetern klingt zunächst niedrig, doch die breite Sitzbank macht den Schrittbogen größer. Kleinere Fahrer sollten deshalb unbedingt probesitzen. Wer mit beiden Füßen gut zum Boden kommt, findet eine aufrechte, entspannte Haltung vor. Beine und Arme landen ziemlich natürlich, und auch nach längerer Fahrt bleibt der Rücken gelassen. Für die Füße gibt es unterschiedliche Ablagepositionen, sodass man zwischendurch ein wenig variieren kann.

Ein echtes Highlight ist die elektrisch verstellbare Scheibe. Per Schalter lässt sie sich um 180 Millimeter bewegen. Unten gibt es mehr Luft und freie Sicht für warme Tage in der Stadt, oben deutlich besseren Schutz bei Tempo und schlechtem Wetter. Je nach Körpergröße können an der Helmkante Verwirbelungen entstehen, doch insgesamt funktioniert das System erstaunlich gut. Zusammen mit der breiten Frontverkleidung hält es einen ordentlichen Teil von Wind und Regen fern. Trocken bleibt man natürlich nicht komplett, aber der Unterschied zu einem nackten 125er ist riesig.

Auch zu zweit macht die Honda keine schlechte Figur. Die Sitzbank bietet genug Platz, stabile Haltegriffe sind vorhanden und der ruhige Geradeauslauf vermittelt Sicherheit. Nur der Motor muss mit zusätzlichem Gewicht natürlich kräftiger arbeiten. Auf flacher Strecke klappt das gut, an langen Steigungen oder beim Überholen merkt man die Leistungsgrenze deutlicher. Für gelegentliche Ausflüge mit Begleitung passt das Paket, als dauerhafter Zweipersonen-Tourer wäre eine größere Hubraumklasse entspannter.

Ausstattung und Alltag: Hier punktet die Forza richtig

Im Alltag zeigt sich, warum die Forza so viele Fans hat. Unter der Sitzbank steckt ein riesiges, beleuchtetes Fach. Je nach Helmform passen zwei Vollvisierhelme hinein, alternativ verschwinden dort Einkauf, Regenkombi, Handschuhe und Kleinkram. Das ist genau die Sorte Nutzen, die man nach wenigen Tagen nicht mehr missen möchte. Beim aktuellen deutschen Angebot gehört außerdem ein 45-Liter-Smart-Topcase dazu. Damit wird der Roller beinahe zum kleinen Lieferwagen – nur eben deutlich eleganter.

Der Smart Key bleibt bequem in der Tasche. Zündung, Sitzbank und Tankdeckel lassen sich ohne klassisches Schlüsselgefummel bedienen, auch das passende Topcase kann ins System eingebunden werden. Anfangs muss man sich an den Drehschalter gewöhnen, danach wirkt ein herkömmlicher Schlüssel fast altmodisch. Praktisch ist außerdem das vordere Handschuhfach mit Ladeanschluss. Smartphone rein, Strom dran, fertig. Kleine Kritik: Wer dicke Handschuhe trägt, wünscht sich bei manchen Handgriffen etwas mehr Raum und noch simplere Menüs.

Das 5-Zoll-TFT-Display sieht zeitgemäß aus, ist gut ablesbar und bringt über Honda RoadSync Smartphone-Konnektivität an Bord. Navigation, Anrufe oder Musik lassen sich damit grundsätzlich einbinden, wobei das System ein kompatibles Telefon, eine passende App und in der Praxis meist auch ein Headset voraussetzt. Wer nur fahren möchte, kann den Digitalzirkus einfach ignorieren. Die wichtigsten Informationen bleiben klar sichtbar, und der beleuchtete Vierwegeschalter am Lenker erleichtert die Bedienung bei Dunkelheit.

Kosten: Premium bleibt Premium

Der größte Haken steht auf dem Preisschild. Für das Modelljahr 2026 nennt Honda in Deutschland 6.749 Euro inklusive Überführung für die Version mit Smart Top Case; die Special Edition liegt noch etwas darüber. Das ist für einen 125er eine selbstbewusste Ansage. Günstige Pendlerroller kosten deutlich weniger, und auf dem Gebrauchtmarkt rücken für dieses Geld bereits stärkere Maschinen in Sichtweite. Wer nur möglichst billig von A nach B kommen will, wird den Aufpreis kaum schönrechnen können.

Andererseits liefert Honda dafür ein ungewöhnlich rundes Gesamtpaket. Verbrauch, Steuer- und Versicherungskosten bleiben überschaubar, die Ausstattung ist üppig und der praktische Nutzen hoch. Dazu kommt die erfahrungsgemäß starke Nachfrage nach gepflegten Forza-Modellen, was dem Wiederverkaufswert helfen kann – garantiert ist das natürlich nicht. Entscheidend ist also weniger die Frage, ob die Forza billig ist. Das ist sie nicht. Die bessere Frage lautet: Nutzt man ihren Komfort und ihre Alltagstalente häufig genug, damit sich der Preis persönlich lohnt?

Was nervt?

Ganz ohne Schattenseiten geht es nicht. Das hohe Gewicht fällt beim Schieben auf, die breite Sitzbank passt nicht zu jeder Beinlänge und der hohe Preis verlangt schon etwas Begeisterung. Auf schlechten Straßen dürfte die Hinterhand außerdem gern geschmeidiger reagieren. Und obwohl die Forza auf Schnellstraßen ordentlich mithält, bleibt für spontane Überholmanöver wenig Reserve. Wer täglich lange Autobahnetappen fährt, sollte ehrlich zu sich sein und eher zur Forza 350 oder einem anderen stärkeren Modell schauen.

Fazit: Teuer, aber verdammt gut gemacht

Die Honda Forza 125 ist kein Roller für den absoluten Sparfuchs. Sie ist für Leute gedacht, die jeden Tag fahren, wenig Lust auf Verzicht haben und einen 125er suchen, der sich nicht nach Einsteigerlösung anfühlt. Ihre Stärken sind der starke Alltagsnutzen, der gute Windschutz, die entspannte Ergonomie, der riesige Stauraum und die hochwertige Ausstattung. Motor und Fahrwerk passen perfekt zu Stadt, Umland und Pendelstrecke, solange man die Leistungsgrenzen der Klasse akzeptiert.

Unterm Strich ist die Forza ein kleiner Luxusliner mit erstaunlich großem Aktionsradius. Sie erledigt den Wocheneinkauf, nimmt schlechtes Wetter gelassen, macht im Büroparkhaus eine gute Figur und lädt am Wochenende zur längeren Runde ein. Ja, sie kostet ordentlich. Ja, sie ist für 125 Kubik ziemlich schwer. Aber sie wirkt eben auch durchdacht, erwachsen und angenehm komplett. Wer viel pendelt und sich jeden Morgen über Komfort statt über fehlende Leistung Gedanken macht, findet hier einen der überzeugendsten Premium-Roller seiner Klasse. Vor dem Kauf gilt trotzdem: probesitzen, Probefahrt machen und prüfen, ob Sitzbreite, Windschutz und Tempo zum eigenen Alltag passen. Wenn das passt, ist die Forza 125 ein verdammt lässiger Begleiter. 

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