Benelli Leoncino Bobber 400 im Test

Cooler A2-Cruiser mit V2 Motor für 6.000 Euro

Benelli Leoncino Bobber 400 im Test Fotos: Motorradtest.de
 
 

Die Benelli Leoncino Bobber 400 will zwei Welten verbinden: klassisches Bobber-Design und moderne Zugänglichkeit für Alltag, Stadt und entspannte Landstraßenrunden. Mit ihrem 385-Kubik-V2, 34 PS, Riemenantrieb und niedriger Sitzhöhe richtet sie sich vor allem an Fahrerinnen und Fahrer, die einen charakterstarken Cruiser im A2-Umfeld suchen, ohne auf unkompliziertes Handling zu verzichten.


Hier kommt mal was ganz anderes...


Mit der Leoncino Bobber 400 betritt Benelli Neuland. Innerhalb der Leoncino-Familie, die bislang eher für Scrambler- und Roadster-Interpretationen stand, markiert dieses Modell eine klare Abzweigung in Richtung Cruiser und Bobber. Genau das macht das Motorrad spannend: Es versucht nicht, eine klassische Mittelklasse-Naked zu sein, sondern setzt bewusst auf Charakter, niedrige Sitzhöhe, entspannte Ergonomie und eine eigenständige Optik. Gleichzeitig bleibt es mit rund 385 Kubikzentimetern, A2-tauglicher Leistung und einem Preisniveau knapp über der 6.000-Euro-Marke für viele Fahrerinnen und Fahrer realistisch erreichbar. Die Benelli Leoncino Bobber 400 richtet sich damit an Einsteiger, Wiedereinsteiger und stilbewusste Pendler, die keinen riesigen Hubraum brauchen, aber dennoch ein Motorrad mit Persönlichkeit suchen.

 

Die technische Konfiguration der Leoncino Bobber 400 ist für diese Klasse ungewöhnlich interessant. Herzstück ist ein flüssigkeitsgekühlter 60-Grad-V2-Motor mit 384,5 cm³ Hubraum. Laut Hersteller leistet er 25 kW beziehungsweise 34 PS bei 8.000 U/min; in verschiedenen Datenquellen wird das Drehmoment mit rund 35 bis 36 Nm im Bereich von 4.500 bis 5.000 U/min angegeben. Dazu kommen ein Sechsganggetriebe, Riemenantrieb, ABS und Traktionskontrolle. Das ist in diesem Segment bemerkenswert, denn gerade der Riemenantrieb ist bei günstigen Einsteiger-Cruisern keineswegs selbstverständlich. Er reduziert den Wartungsaufwand, passt hervorragend zum Bobber-Konzept und vermittelt schon auf dem Papier einen kleinen Hauch großer Cruiser-Welt. Die Sitzhöhe liegt bei niedrigen 730 mm, der Tank fasst etwa 15 Liter, und das fahrbereite Gewicht bewegt sich um 195 kg. Damit ist die Benelli keine Feder, aber für einen Bobber dieser Art noch angenehm handhabbar.

Farbauswahl: Schwarz oder Braun.
Farbauswahl: Schwarz oder Braun.
 
 
Abmessungen und Sitzposition

 
Ein zentrales Verkaufsargument der Benelli ist ihre Zugänglichkeit. Die geringe Sitzhöhe von 730 mm sorgt dafür, dass auch kleinere Fahrerinnen und Fahrer schnell Vertrauen fassen können. Dazu kommen ein breiter Lenker, vorverlegte Fußrasten und eine entspannte, leicht zurückgelehnte Sitzposition. Das ergibt genau jene Cruiser-Ergonomie, die man von einem Bobber erwartet: lässig, kontrolliert und alltagstauglich. Im Stadtverkehr dürfte man sich dadurch rasch wohlfühlen, weil die Maschine weniger einschüchternd wirkt als viele großvolumige Cruiser. Gleichzeitig vermittelt der breite Lenker genügend Hebel, um das Motorrad bei langsamen Manövern sauber zu dirigieren.


So sitzt es sich auf der Benelli Leoncino Bobber 400: Lässig und entspannt.

So sitzt es sich auf der Benelli Leoncino Bobber 400: Lässig und entspannt.

 
Allerdings bringt die Bobber-Bauform naturgemäß auch Einschränkungen mit sich. Wer von einer neutraleren Naked Bike-Sitzposition kommt, muss sich auf die andere Gewichtsverteilung einstellen. Vorverlegte Fußrasten entlasten die Knie, nehmen sportlicher Fahrweise aber etwas Präzision. Für kurze bis mittlere Strecken dürfte das Konzept sehr gut funktionieren, auf längeren Etappen hängt der Komfort stark von Polsterung, Winddruck und persönlicher Vorliebe ab. Trotzdem ist klar: Die Leoncino Bobber 400 will kein Tourenmotorrad sein. Sie will gut aussehen, entspannt fahren und dabei mehr Substanz bieten als ein reines Stilobjekt. Genau dieses Ziel scheint ihre Ergonomie zu unterstützen.

 
 
Cockpit Beleuchtung vorne Beleuchtung hinten

Das soll sie können

Im Alltag dürfte die Leoncino Bobber 400 stärker sein, als der Stil auf den ersten Blick vermuten lässt. Der niedrige Schwerpunkt, die geringe Sitzhöhe und die entspannte Leistungsentfaltung sprechen für eine unkomplizierte Nutzung im urbanen Umfeld. Hinzu kommen moderne Zutaten wie LED-Beleuchtung, digitale Instrumentierung sowie eine Traktionskontrolle und teilweise sogar praktische Details wie ein USB-Anschluss. Gerade für Fahranfänger ist das Paket interessant, weil es Sicherheit und Coolness verbindet, ohne technisch unnötig einschüchternd zu wirken. Die 15 Liter Tankvolumen versprechen zudem eine ordentliche Reichweite.

Der Verbrauch liegt laut Angaben von Benelli bei 3,6 Liter pro 100 Kilometer. Selbst wenn der reale Alltag etwas darüber liegt, bleibt die Benelli damit ein günstiges Motorrad für Pendelstrecken, Feierabendrunden und Wochenendausflüge. Der Riemenantrieb ist auch hier ein Vorteil, weil er weniger Pflege verlangt als eine Kette und das Motorradkonzept stimmig abrundet. Natürlich ersetzt das keinen regelmäßigen Service, aber im täglichen Umgang senkt es den Aufwand. Gerade für Fahrer, die ein stilvolles Motorrad suchen, ohne ständig putzen, schmieren und nachspannen zu wollen, ist das ein echter Pluspunkt.

Endschalldämpfer

 
Design und Verarbeitung

Optisch macht die Leoncino Bobber 400 vieles richtig. Sie orientiert sich nicht nur lose am Bobber-Stil, sondern trägt die typischen Zutaten bewusst zur Schau: kurzes Heck, kompakte Silhouette, dicke 16-Zoll-Räder, tiefer Aufbau und ein insgesamt reduzierter Auftritt. Besonders markant ist der seitlich präsentierte Luftfilter, der nicht versteckt, sondern wie ein Designobjekt inszeniert wird. Dazu kommen die übereinander angeordneten Auspufftöpfe, die dem Motorrad von der Seite eine gewisse optische Wucht verleihen. Der Tank nimmt Elemente der Leoncino-Baureihe auf, während die Frontbeleuchtung mit der charakteristischen Lichtsignatur den Familienbezug wahrt.
 
 
Benelli gelingt hier eine Balance aus Wiedererkennbarkeit und stilistischem Neuanfang.
Bei der Verarbeitung hinterlässt die Maschine einen ordentlichen Gesamteindruck mit kleineren Einschränkungen. Die Proportionen wirken stimmig, die Oberflächenanmutung ist für die Preisklasse überzeugend und viele Details zeigen, dass Benelli das Motorrad nicht einfach als Billig-Cruiser positionieren will. Gleichzeitig darf man in diesem Preisbereich keine Perfektion erwarten. Einzelne Kunststoffteile oder weniger edel wirkende Komponenten dürften Kennern auffallen. Dennoch scheint die Leoncino Bobber 400 genau dort zu punkten, wo ein Motorrad dieser Gattung überzeugen muss: bei Ausstrahlung, Präsenz und dem Gefühl, etwas Eigenständiges zu fahren. Gerade live dürfte sie deshalb mehr Eindruck machen, als es die nüchternen Papierwerte vermuten lassen.
 
V2 mit 34 PS und 35 Nm Drehmoment V2 mit 34 PS und 35 Nm Drehmoment
 
 

Motor, Klang und Fahrleistungen

Der wohl größte Reiz der Leoncino Bobber 400 steckt im Motor. Während viele Konkurrenten in dieser Klasse auf Einzylinder oder Parallel-Twins setzen, verbaut Benelli hier einen 60-Grad-V2. Das ist nicht automatisch ein Garant für überragende Performance, wohl aber für Charakter. Mit rund 34 bis 35 PS ist die Leistung zwar überschaubar, doch das maximale Drehmoment liegt vergleichsweise früh an. Das verspricht einen Motor, der im unteren und mittleren Drehzahlbereich angenehm anschiebt und damit ideal zum entspannten Cruiser-Stil passt. Für A2-Einsteiger ist das eine sinnvolle Abstimmung: genug Punch, um nicht langweilig zu wirken, aber nicht so viel Leistung, dass das Motorrad nervös oder überfordernd wird.

Der Zweizylinder ist kultiviert, drehfreudig genug und akustisch überraschend erwachsen. Gerade das satte Blubbern eines V2 passt hervorragend zum Bobber-Auftritt. Dabei scheint Benelli keine Krawallmaschine abzuliefern, sondern eher einen angenehm sonoren Begleiter, der emotional mehr bietet als seine schlichte Leistungszahl erwarten lässt. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit etwa 150 bis 152 km/h angegeben. In der Praxis ist das völlig ausreichend. Entscheidend ist ohnehin weniger die Endgeschwindigkeit als die Art, wie die Leistung abgegeben wird. Wenn der Motor sauber ans Gas geht, in der Mitte druckvoll genug wirkt und mit dem Sechsganggetriebe harmoniert, erfüllt er seine Aufgabe in diesem Motorradkonzept sehr gut. Der Riemenantrieb dürfte zusätzlich für ein geschmeidiges, sauberes und leises Fahrgefühl sorgen.
 
 
 

Fahrwerk, Bremsen und Handling

Das Fahrwerk setzt vorne auf eine 35-mm-Upside-down-Gabel mit 125 mm Federweg und hinten auf zwei klassische Federbeine. Vorn verzögert eine 300-mm-Scheibe mit Vierkolbenzange, hinten arbeitet eine 240-mm-Scheibe; ABS ist serienmäßig, ebenso Traktionskontrolle. Auch hier gilt: Die Leoncino Bobber 400 will keine Sportlerin sein, aber sie soll im Alltag und auf der Landstraße souverän funktionieren. Dafür spricht die Kombination aus relativ kompakten Abmessungen, breitem Lenker und einem Gewicht, das im Vergleich zu großen Cruisern noch moderat ausfällt. Erste Einschätzungen deuten darauf hin, dass das Motorrad handlicher wirkt, als es seine wuchtige Optik vermuten lässt.

Typisch Bobber sind jedoch auch die Grenzen. Die Schräglagenfreiheit dürfte begrenzt sein, und hektische Richtungswechsel zählen nicht zu den Kernkompetenzen dieser Maschine. Wer sie wie ein Naked Bike über kurvige Landstraßen prügeln will, nutzt sie gegen ihre Natur. Besser passt ein runder, flüssiger Fahrstil mit früh gesetztem Einlenkpunkt und sauberem Herausbeschleunigen. Genau in diesem Bereich scheint die Benelli zu gefallen: Sie kombiniert entspanntes Cruisen mit ausreichend Kontrolle, um auf Nebenstraßen Freude zu machen. Die breiten Reifen im Format 130/90-16 vorn und 150/80-16 hinten unterstreichen den kräftigen Look und tragen zum satten Fahrgefühl bei, ohne die Maschine unnötig träge wirken zu lassen.


 

Preis-Leistung und Konkurrenz

Besonders interessant ist die Leoncino Bobber 400 beim Blick auf den Preis. Für Deutschland wird eine UVP von rund 6.069 Euro genannt, im Handel tauchen teils Angebote knapp darunter auf. Damit positioniert sich Benelli aggressiv. Denn das Motorrad liefert nicht nur ein eigenständiges Design, sondern auch Ausstattungsmerkmale, die in dieser Klasse Gewicht haben: V2-Motor, Riemenantrieb, ABS, Traktionskontrolle und eine sehr zugängliche Ergonomie. Im Wettbewerbsumfeld muss sie sich gegen etablierte Namen behaupten, etwa gegen Honda Rebel 500, Kawasaki Eliminator oder Royal Enfield Super Meteor 650. Diese Modelle haben jeweils eigene Stärken – sei es Markenimage, Hubraumreserve oder Tourentauglichkeit. Doch die Benelli kontert mit Stil, Preis und einem für diese Klasse ungewöhnlich emotionalen Antriebskonzept.

Wer maximale Langstreckenkompetenz oder besonders hohe Wiederverkaufswerte sucht, wird sich die Konkurrenz genau ansehen. Wer aber einen bezahlbaren Bobber mit echtem Auftritt, niedriger Hemmschwelle und sympathisch eigenem Charakter will, für den ist die Leoncino Bobber 400 äußerst reizvoll. Gerade der V2 ist ein starkes Argument, weil er dem Motorrad etwas gibt, das in dieser Klasse oft fehlt: eine akustische und emotionale Identität. Dass Benelli dazu noch ein gefälliges Design und alltagstaugliche Technik packt, macht das Gesamtangebot stimmig.

Fazit

Die Benelli Leoncino Bobber 400 ist kein Motorrad für Leistungsfanatiker, keine Mini-Harley-Kopie und auch kein reines Lifestyle-Spielzeug. Sie ist vielmehr ein clever geschnürtes Gesamtpaket für alle, die den Bobber-Stil mögen, aber nicht in Gewicht, Preis und Leistungsexzesse abrutschen wollen. Ihre größten Stärken liegen im eigenständigen Design, in der niedrigen Sitzhöhe, im zugänglichen Handling und vor allem im charmanten V2-Motor mit Riemenantrieb. Schwächen dürfte sie dort zeigen, wo ihre Gattung naturgemäß Grenzen hat: bei Schräglagenfreiheit, Windschutz und sportlicher Härte. Doch genau darum geht es hier nicht. Die Leoncino Bobber 400 will entspannt, cool und charaktervoll sein – und nach allem, was bislang über sie bekannt ist, gelingt ihr das erstaunlich überzeugend. Unter dem Strich ist sie eine der interessantesten Neuerscheinungen im A2-Cruiser-Segment: eigenständig, fair bepreist und mit deutlich mehr Seele, als man in dieser Klasse erwarten würde.

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Preis: 5.999 €
  • Verfügbarkeit: seit 2026
  • Farben: Schwarz, Braun
Pro & Kontra
Pro:
  • Leicht und handlich zu fahren
05.2026: Benelli Leoncino Bobber 400
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