








Yamaha Tricity 300 Airbag im Test
Der dreirädrige Roller von Yamaha mit Airbag für Autoführerschein-Inhaber im Test
Fotos: Motorradtest.de
Drei Räder, viel Hirn und erstaunlich viel Lockerheit
Yamaha positioniert den Tricity 300 als clevere Alternative für alle, die im Stadtverkehr nicht länger im Auto gammeln wollen, aber auch keinen klassischen Zweirad-Einstieg suchen. Der 2026er kommt mit 292 Kubikzentimetern Hubraum, rund 28 PS, Variomatik, Riemenantrieb, Euro-5+-Konformität, 13-Liter-Tank, rund 240 Kilogramm fahrbereitem Gewicht und natürlich dem bekannten Leaning-Multi-Wheel-Konzept. Heißt: Die beiden Vorderräder neigen sich in der Kurve mit, wodurch sich der Roller deutlich natürlicher fährt, als es auf den ersten Blick aussieht.
Erster Eindruck: breit vorne, entspannt im Kopf
Optisch macht der Tricity 300 2026 keine halben Sachen. Die Front ist dominant, die zwei Vorderräder sorgen für ordentlich Präsenz und die LED-Lichtsignatur gibt dem Ganzen einen modernen, fast schon leicht futuristischen Touch. Gleichzeitig wirkt er nicht übertrieben aggressiv. Eher so, als würde er sagen: „Ich bringe dich pünktlich ins Büro, aber wenn du danach noch einen Umweg über die Landstraße nimmst, bin ich dabei.“
Farbauswahl: Dreimal schick. Wir würden den Grünen nehmen.
Sitzprobe
Beim Aufsitzen fällt zuerst die Sitzhöhe von etwa 795 Millimetern auf. Das ist für die meisten Fahrer gut machbar, aber durch die breite Front und das Gewicht merkt man schon: Das hier ist kein flatterleichter 125er, den man mit zwei Fingern rangiert. Trotzdem fühlt sich der Tricity nicht unhandlich an. Die Gewichtsverteilung ist ordentlich, der Schwerpunkt wirkt relativ tief, und sobald man rollt, verschwindet der erste Respekt ziemlich schnell.
Die Sitzposition ist aufrecht, übersichtlich und angenehm. Man thront nicht über dem Verkehr wie auf einem Adventure-Bike, sitzt aber hoch genug, um den Überblick zu behalten. Windschutz und Wetterschutz sind ordentlich, besonders im Vergleich zu nackten Rollern oder Motorrädern. Bei richtig miesem Wetter wird man natürlich trotzdem nass, aber Beine und Oberkörper sind besser geschützt als auf vielen klassischen Zweirädern.
So sitzt es sich auf dem Yamaha Trictiy 300.
Komfort und Ausstattung: Pendlerherz, Technikhirn
Im Alltag zeigt der Tricity, warum Yamaha ihn nicht als Spaßgerät für Sonntagsfahrer, sondern als ernsthaften Mobilitätsbaustein sieht. Das Smart-Key-System ist bequem, die LED-Beleuchtung wirkt modern, das vernetzte Cockpit bringt Smartphone-Anbindung und Navigation ins Spiel, und unter der Sitzbank gibt es ordentlichen Stauraum. Je nach Helmform passt genug hinein, um den Roller wirklich als tägliches Verkehrsmittel zu nutzen und nicht ständig mit Rucksack und Zusatzkram herumzuhantieren.
Das Standing-Assist-System ist eines dieser Features, über die man sich erst lustig macht und die man danach nicht mehr missen möchte. Es hilft, den Roller im Stand aufrecht zu halten. An der Ampel, im Stop-and-go oder beim Rangieren bringt das spürbar Entspannung. Man sollte es nicht mit einem magischen Anti-Umfall-Zauber verwechseln, aber es nimmt dem schweren Dreirad im Alltag viel von seiner Wucht.
Serien-Endschalldämpfer mit 86 dbA Standgeräusch. Es gibt auch einen Akrapovic im Yamaha-Zubehör.
Motor: kein Rabauke, aber ein sehr guter Kumpel
Der flüssigkeitsgekühlte 292-ccm-Einzylinder mit Blue-Core-Technik ist kein Motor, der morgens die Nachbarschaft weckt oder an der Ampel auf dicke Hose macht. Er arbeitet eher souverän, sauber und ziemlich entspannt. Die knapp 28 PS reichen im Stadtverkehr locker, um zügig wegzukommen. Auch auf der Stadtautobahn oder kurzen Autobahnetappen fühlt sich der Tricity nicht verloren an, solange man keine Wunder erwartet.
Die Variomatik passt gut zum Charakter. Gas auf, Roller fährt los, fertig. Kein Kupplungsstress, kein Schaltdenken, kein Drama. Gerade im Pendleralltag ist das Gold wert. Der Tricity nimmt Gasbefehle weich an, beschleunigt linear und wirkt nie nervös. Wer von einem Auto umsteigt, wird diese Unkompliziertheit mögen. Wer von einem sportlichen Motorrad kommt, wird sich vermutlich wünschen, dass Yamaha dem Motor noch ein bisschen mehr Pfeffer spendiert hätte.
Fahrverhalten: das dritte Rad macht mehr Spaß, als man denkt
Das Herzstück des Tricity ist natürlich das Leaning-Multi-Wheel-System. Zwei Vorderräder, die sich gemeinsam in die Kurve legen, klingen erstmal nach Physikunterricht mit Helm. In der Praxis fühlt es sich aber überraschend natürlich an. Nach ein paar Kilometern denkt man gar nicht mehr groß darüber nach. Man lenkt ein, der Roller neigt sich, die Front bleibt satt auf der Straße und man bekommt dieses angenehme Extra an Vertrauen.
Besonders auf nassem Asphalt, Kopfsteinpflaster oder bei fiesen Fahrbahnmarkierungen spielt der Tricity seine Stärke aus. Wo ein normaler Roller schon mal leicht zuckt oder der Fahrer kurz die Luft anhält, bleibt der Yamaha deutlich gelassener. Das heißt nicht, dass die Physik plötzlich Urlaub macht. Aber das Gefühl an der Front ist stabiler, breiter und vertrauenerweckender. Genau das dürfte viele ansprechen, die Rollerfahren eigentlich spannend finden, aber mit klassischen Zweirädern nie so richtig warm geworden sind.
In engen Kurven merkt man allerdings auch die Masse. 240 Kilogramm wollen bewegt werden, und beim schnellen Richtungswechsel ist der Tricity kein BMX-Rad. Er bleibt präzise, aber nicht superflink. Sein Ding ist eher souveränes Gleiten als hektisches Durchschlängeln. Im Stadtverkehr kommt man zwar gut voran, doch im Vergleich zu einem leichten 125er braucht er etwas mehr Platz und Nachdruck.
Bremsen und Sicherheit: hier wird ernst gemacht
Yamaha spendiert dem Tricity 300 2026 ein ordentliches Sicherheitspaket. Vorne arbeiten zwei 267-Millimeter-Bremsscheiben, hinten ebenfalls eine Scheibe. Dazu kommen ABS, ein kombiniertes Bremssystem, Kurven-ABS beziehungsweise ein modernes elektronisches Sicherheitsnetz mit IMU-Unterstützung. Das klingt nach Datenblatt-Bingo, macht im Alltag aber tatsächlich Sinn. Die Bremsen lassen sich gut dosieren, packen kräftig genug zu und geben dem Fahrer viel Rückmeldung.
Spannend ist auch die Airbag-Variante, die Yamaha für den Tricity 300 anbietet. Ein Roller mit Airbag klingt erstmal nach Zukunftsmusik, ist aber genau die Richtung, in die urbane Mobilität gehen könnte: mehr Schutz, mehr Assistenz, weniger Risiko. Klar, ein Airbag ersetzt keine saubere Fahrtechnik und keine Schutzkleidung. Aber als zusätzliches Sicherheitsfeature ist das ein starkes Signal. Gerade für Umsteiger aus dem Auto dürfte das ein Argument sein, überhaupt über ein solches Fahrzeug nachzudenken.
Riesiger Kofferraum mit Platz für zwei Helme
Verbrauch, Reichweite und Kosten
Offiziell liegt der kombinierte Verbrauch bei etwa 3,3 Litern auf 100 Kilometer. Mit dem 13-Liter-Tank ergibt sich eine sehr alltagstaugliche Reichweite, die für die meisten Pendler locker mehrere Arbeitstage abdeckt. In der Praxis hängt natürlich viel davon ab, ob man gemütlich durch die Stadt rollt, ständig Vollgas auf der Schnellstraße fährt oder jeden Ampelstart wie ein kleines Rennen behandelt.
Beim Preis spielt der Tricity 300 in der Premium-Liga der Roller. Je nach Markt und Variante liegt er deutlich über klassischen 300er-Rollern, vor allem wenn man zur Airbag-Version greift. Dafür bekommt man aber eben auch kein normales Zweirad, sondern ein technisch aufwendiges Dreirad mit viel Sicherheits- und Komfortausstattung. Ob das den Aufpreis wert ist, hängt stark vom Einsatzzweck ab. Wer nur gelegentlich zum Bäcker rollt, braucht ihn nicht. Wer täglich durch dichten Verkehr pendelt und mehr Stabilität möchte, wird den Mehrwert eher sehen.
Was nervt?
Der Tricity 300 ist clever, aber nicht perfekt. Das Gewicht merkt man beim Rangieren und bei sehr langsamen Manövern. Wer wenig Platz in der Garage hat, sollte vorher genau ausprobieren, ob das breite Frontkonzept in den Alltag passt. Auch die Motorleistung ist eher solide als aufregend. Für Stadt, Umland und kurze Autobahnfahrten reicht sie, aber wer sportliche Ambitionen hat, wird hier nicht dauerhaft glücklich.
Dazu kommt der Preis. Der Tricity ist kein Schnäppchen und will auch keines sein. Man zahlt für Technik, Sicherheit und den speziellen Dreirad-Ansatz. Das ist fair, aber es macht ihn weniger spontan kaufbar. Außerdem bleibt das Design Geschmackssache. Manche werden ihn feiern, andere werden fragen, warum da vorne ein halbes Fahrwerk sichtbar unterwegs ist. So ist das mit Charakterfahrzeugen.
Fazit: kein Roller für alle, aber ein richtig guter für die Richtigen
Der Yamaha Tricity 300 2026 ist kein klassischer Roller, den man nur nach PS, Preis und Stauraum bewertet. Er ist ein Mobilitätskonzept. Ein ziemlich durchdachtes sogar. Seine größte Stärke ist nicht pure Leistung, sondern Vertrauen. Die stabile Front, das gut funktionierende LMW-System, das entspannte Automatikfahren, die umfangreiche Sicherheitsausstattung und die Alltagstauglichkeit machen ihn zu einem starken Begleiter für Pendler, Stadtfahrer und alle, die beim Zweiradfahren ein Plus an Sicherheit möchten.
Er ist nicht der leichteste, nicht der günstigste und sicher nicht der wildeste Roller auf dem Markt. Aber er ist einer der interessantesten. Wer vom Auto kommt, keinen Motorradführerschein machen möchte oder einfach ein Fahrzeug sucht, das Stadtverkehr entspannter macht, sollte den Tricity 300 unbedingt probefahren. Denn nach ein paar Kilometern wirkt das mit den zwei Vorderrädern plötzlich gar nicht mehr komisch. Eher ziemlich logisch.
Das Testbike wurde uns netterweise zur Verfügung gestellt von Tecius & Reimers von Yamaha Zentrum Hamburg. Dort steht ein Vorführer in "Power Grey" und wartet auf Probefahrer. Wer nicht fahren, sondern nur schauen will, ist aber bei Tecius & Reimers ebenfalls Herzlich Willkommen. Nicht vergessen: Im Keller stehen jede Menge gebrauchte Bikes.
Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre
- Preis: 9.999 €
- Gebraucht (3 Jahre alt): 7.000€
- Baujahre: 2020 - heute
- Farben: Weiß, Mint, Grau


































